Rekordbeteiligung bei der Themenrunde Künstliche Intelligenz
Wie verändert Künstliche Intelligenz unseren Alltag? Welche Chancen und Risiken bringt sie mit sich? Und werden irgendwann Roboter vor der Klasse stehen? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich Schüler*innen und Forschende bei unserer Themenrunde Künstliche Intelligenz, die vom 8. bis 12. Juni 2026 stattfand.
von Simon Esser
In 24 Live-Chats diskutierten rund 350 Schüler*innen direkt mit Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Bereichen der KI-Forschung. Darüber hinaus wurden auf der Website 151 weitere Fragen gestellt und beantwortet – so viele wie noch nie zuvor bei einer KI-Themenrunde von I'm a Scientist.
Über KI grübeln
Die Chats zeigten, wie unterschiedlich Schüler*innen an das Thema Künstliche Intelligenz herangehen. Während einige KI bereits selbstverständlich nutzen und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen diskutieren, wollten andere zunächst verstehen, wie KI überhaupt funktioniert. Gemeinsam war allen Klassen die große Neugier und die Freude am direkten Austausch mit den Forschenden.
KI als Juristin?
Den lebendigen Austausch einer 6. Klasse des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums in Berlin-Pankow durften wir live vor Ort verfolgen. Die Schüler*innen beteiligten sich so engagiert, dass der Chat zwischenzeitlich pausiert werden musste, um die zahlreichen Fragen zu sortieren. Viele erzählten, dass sie KI bereits für die Recherche nutzen – oder auch, um neue Kochrezepte zu finden.
Ihre Fragen reichten von Datenschutz über Datenhoheit bis zum Einfluss großer Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley. Sie wollten wissen, ob KI künftig juristische Aufgaben übernehmen könnte und welche Folgen das für Gerichtsverfahren hätte. Außerdem interessierten sie sich dafür, wie Wissenschaftler*innen arbeiten und ob Forschung auch im Homeoffice stattfindet.
Besonders intensiv diskutierten die Klasse und die Forschenden darüber, was Menschen von KI unterscheidet. Dass KI zwar Muster erkennen und Texte erzeugen kann, aber nicht „grübelt“ wie Menschen, griffen viele Schüler*innen auf. Gemeinsam wurde darüber gesprochen, warum es wichtig bleibt, sich Zeit für eigenes Nachdenken und kritisches Hinterfragen zu nehmen.
Wie immer blieb neben den Fachthemen auch Zeit für Persönliches: Für eine überraschend lebhafte Debatte sorgte die Frage, ob man eher Team Sushi oder Team Burger ist.
„Macht KI unseren Kopf kaputt?“
Eine 5. Klasse der Pestalozzi-Schule in Berlin-Zehlendorf wollte verstehen, wie Künstliche Intelligenz technisch funktioniert und wo sie herkommt: Was ist Künstliche Intelligenz überhaupt? Wer hat sie erfunden? Wie lange gibt es sie schon? Und auch hier reflektierten Schüler*innen schon kritisch den Einsatz von KI. Eine Schülerin fragte: „Macht KI unseren Kopf kaputt?“
Im Chat wurde darüber gesprochen, dass Künstliche Intelligenz nicht von einer einzelnen Person erfunden wurde, sondern sich seit den 1950er Jahren durch die Arbeit vieler Forschender entwickelt hat.
Besonders viel Spaß machte den Schüler*innen der direkte Austausch mit den Forschenden. Dass sie auf Antworten reagieren und weiter nachfragen konnten, machte den Chat für viele zu einem besonderen Erlebnis. „Ich fand's sehr gut, und man kann auch auf die Antworten wieder reagieren“, fasste ein Schüler seine Eindrücke zusammen. Andere erzählten: „Ich habe herausgefunden, dass KI auch Fehler macht“ oder „Ich habe herausgefunden, dass KI nicht so Gefühle hat wie wir.“
Alexander Prange gewinnt die Themenrunde
Am Ende der Woche hatten die Schüler*innen das letzte Wort und wählten ihren Lieblingswissenschaftler. Die meisten Stimmen erhielt Alexander Prange, der bei der consistec GmbH in Saarbrücken im Bereich Künstliche Intelligenz forscht. In nationalen und internationalen Forschungsprojekten beschäftigt er sich mit dem Einsatz von maschinellem Lernen in der Cybersecurity und arbeitet daran, Netzwerke mithilfe von KI besser vor Cyberangriffen zu schützen.
Für Alexander war der Austausch mit den Schüler*innen auch für die eigene Arbeit wertvoll:
Es ist sehr wichtig, sich hineinzuversetzen, wie das Thema KI wirkt, wenn man nicht selbst in der Forschung dazu arbeitet. Nach einer Weile verliert man den Blick dafür.
Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Fragen zum Datenschutz und zum Self-Hosting von Chatbots. Sie hätten gezeigt, wie bewusst sich viele Schüler*innen bereits mit dem Umgang von KI-Systemen und ihren Daten auseinandersetzen:
Ich fand die Fragen zum Datenschutz und Self-Hosting von Chatbots stark. Ich würde mir wünschen, auch die älteren Generationen hätten einen besseren Blick darauf, welche Modelle wir nutzen und was mit unseren Daten passiert, so wie die Schüler*innen. Gerade auch in Hinblick auf die internationale Situation und unsere Abhängigkeit in Europa.
Anderen Forschenden, die überlegen, selbst einmal bei I'm a Scientist mitzumachen, gibt er einen einfachen Rat:
Bewerbt euch einfach, hier beißt niemand. Seid einfach ehrlich und versucht, eure Infos zielgruppengerecht rüberzubringen, dann wird das schon!
Für seine Auszeichnung erhält Alexander Prange ein Preisgeld von 500 Euro, das er für ein Projekt der Wissenschaftskommunikation einsetzen kann. Welches Projekt daraus entsteht, stellen wir zu einem späteren Zeitpunkt hier im Blog vor.
Vielen Dank an alle Beteiligten
Unser Dank gilt allen 30 Wissenschaftler*innen, die sich Zeit genommen haben, die Fragen der Schüler*innen zu beantworten und Einblicke in ihre Forschung zu geben. Ebenso bedanken wir uns bei den teilnehmenden Lehrkräften für die gute gemeinsame Organisation und Klassen für ihre Neugier, ihre Offenheit und die vielen spannenden Diskussionen.
Junge Menschen setzen sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz auseinander. Sie stellen kritische Fragen, bringen eigene Erfahrungen ein und möchten verstehen, wie die Technologie unsere Zukunft verändert. Genau dafür schafft I'm a Scientist einen Raum. Wir freuen uns schon auf die nächsten Gespräche!