Wissenschaft zum Anfassen – Eindrücke von „Wissenschaft – und ich?!“ in Bocholt

© Simon Esser / Wissenschaft im Dialog
21. April 2026

Mehr als 20 Forschende der Westfälischen Hochschule kamen zusammen, um den Besucher*innen des Bocholter Marktplatzes ihre Forschung vorzustellen.

von Simon Esser

„So lässt sich die Decke ganz einfach streichen.“ Ein Besucher streckt die Hände empor, das Exoskelett gibt Halt. Um ihn herum bleiben Menschen stehen, schauen zu, probieren es selbst aus. Es ist ein sonniger Nachmittag auf dem Bocholter Marktplatz, vor dem historischen Rathaus. Zwischen Kaffeetischen und dem Duft von holländischen Pommes entstehen Gespräche – spontan und niedrigschwellig über Wissenschaft.

Mehr als 20 Forschende der Westfälischen Hochschule sind vor Ort. Sie bringen Exponate mit, die sich nicht nur erklären, sondern direkt ausprobieren lassen. Viele Fußgänger*innen verharren, wechseln die Richtung, nähern sich neugierig. „Das ist ja spannend, mal zu sehen was die hier direkt vor unserer Haustüre tolles machen“, sagt eine Besucherin. Hier treffen Senior*innen auf Schüler*innen auf dem Heimweg, Menschen mit Kinderwagen auf Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen.

Wenn Technik auf Alltag trifft

Wasser perlt über Sand. „Lotuseffekt“, erklärt eine Wissenschaftlerin und demonstriert das Prinzip nicht nur am Modell, sondern reicht Kohlblätter zum Ausprobieren. Staunen, Nachfragen, selbst testen – schnell führen die Gespräche weiter zu Anwendungen, Materialien und Fragen aus dem Alltag.

Ähnlich an anderen Stationen: Ein Greifer, der ohne Sensorik auskommt und dank flexibler Strukturen empfindliche Objekte wie Tulpenknospen aufnehmen kann, weckt Interesse. Inspiriert von Fischflossen zeigt er anschaulich, wie sich bionische Prinzipien technisch nutzen lassen. Das Exponat ist der Einstieg, das Gespräch folgt.

Ein paar Meter weiter arbeitet ein 3D-Drucker. „Damit kann man relativ günstig Prothesen herstellen“, erklärt ein Forscher. „Das eröffnet neue Möglichkeiten der Versorgung, gerade in strukturschwächeren Regionen.“ Von der Technik geht es schnell zu größeren Fragen – nach Zugänglichkeit und gesellschaftlicher Relevanz.

Spielerische Zugänge

An anderer Stelle wird es spielerisch: Arcade-Games lassen sich mit der eigenen Stimme steuern, ein Airhockey mit VR-Brille fordert Reaktion und Koordination. Besuchende probieren sich aus, messen sich miteinander. „Nächster Punkt zählt – Matchpoint!“, ruft ein Junge. Der Ehrgeiz ist spürbar, während gleichzeitig Anwendungsmöglichkeiten sichtbar werden.

Auch beim KI-basierten Ping-Pong zeigt sich dieser Zugang. Besuchende treten gegen eine lernende Maschine an. „Auf niedriger Schwierigkeit sind absichtlich Fehler eingebaut“, erklärt der Entwickler. „Auf höherem Niveau wird es sehr schwer – die Berechnungen sind mit der Zeit deutlich präziser geworden.“

Austausch vor Ort

Wie viel Potenzial im Austausch steckt, zeigen einzelne Begegnungen besonders deutlich. So kommen Maschinenbauer*innen mit einem Hobbyfunker ins Gespräch. Er entwickelt selbst technische Lösungen, bringt eigene Ideen ein und interessiert sich vor allem für Herangehensweisen und Ideen "out of the box". So gelingt der Schritt vom Vortrag zum Dialog. Die Teilnehmer*innen sagen, dass sie genau dafür offen sind. Perspektiven von außen werden als Bereicherung wahrgenommen.

Die Veranstaltung zeigt die Breite der vertretenen Disziplinen und Forschungsschwerpunkten – von Maschinenbau und Mechatronik über Bionik und Biologie bis hin zu Künstlicher Intelligenz und Materialforschung. Die Nähe zur Region wird sichtbar: enge Zusammenarbeit mit kleinen und mittelständischen Unternehmen, kurze Wege, ein gemeinsames Verständnis für praktische Lösungen.

Nachwuchs im Blick

Auch für die Akquise von wissenschaftlichem Nachwuchs ist das Format spannend. „Es ist spannend, früh mit Menschen, die sich für Wissenschaft und Technik interessieren, ins Gespräch zu kommen und zu zeigen, was wir für eine tolle Hochschule haben“, sagt eine Teilnehmerin. Das Format bietet dafür einen passenden Rahmen – informell und offen.

Wissenschaft - und ich?! ist ein gemeinsames Projekt von Akademienunion, Berlin-Brandenburgischer Akademie der Wissenschaften, Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG), Hochschulrektorenkonferenz und Wissenschaft im Dialog. Es wird gefördert von der DFG, der Klaus Tschira Stiftung, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.