KI in der Wisskomm: Zwischen Optimismus und Sorgen

Vier Frauen sitzen auf einer Bühne nebeneinander und diskutieren.
© Damian Gorczany/Wissenschaft im Dialog
15. Dezember 2025

In einer Paneldiskussion sprachen die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski, Philosophin Amrei Bahr und Medienwissenschaftlerin Petra Grimm mit Moderatorin Eva Wolfangel über Technologieoffenheit, Transparenz und die Frage, welche Fähigkeiten wir in Zeiten von ChatGPT verlieren.

von Alena Weil

Welche Rolle kann und soll KI künftig in Wissenschaft, Kommunikation und Politik spielen? Der zweite Tag des Forums startete mit einer Paneldiskussion mit Jun.-Prof. Dr. Amrei Bahr (Universität Stuttgart), Prof. Dr. Petra Grimm (Hochschule der Medien Stuttgart) und Petra Olschowski, Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg, moderiert von Journalistin Eva Wolfangel. Ein All-female-Panel also. Das sei zum Thema KI nicht selbstverständlich, betonte Moderatorin Wolfangel gleich zu Beginn der Session.

Zwischen Vertrauensverlust und Technologieoffenheit

Zunächst geht es um die sozialen Medien. Ministerin Olschowski berichtet, dass ihr Ministerium nicht mehr auf dem Kurznachrichtendienst X sei. Petra Grimm lobt diese Entscheidung: „Ich verbinde das auch mit Haltung, wenn man sich für ein bestimmtes Medium oder dagegen entscheidet.“ Auch in der Hochschulkommunikation stelle sich die Frage: Auf welchen Kanälen wollen wir vertreten sein? Damit verbunden sei auch die Frage, wo man überhaupt noch seriöse, abgesicherte Medieninhalte finde. Diese Frage werde in den nächsten Jahren immer relevanter, glaubt Grimm. Politik und Wissenschaften hätten ein Problem mit der Glaubwürdigkeit. KI biete Chancen, wenn man sie richtig nutze, zum Beispiel für eine zielgruppengerechte Ansprache. Amrei Bahr hält dagegen: KI-generierte Inhalte könnten zu einem Vertrauensverlust bei den Rezipient*innen führen.

Studien zeigten jedoch, dass viele Menschen der Technologie aufgeschlossen entgegen stünden, sagt wiederum Grimm. Ähnliches berichtet auch Petra Olschowski: „So negativ ist die Haltung draußen nicht.”

In Gesprächen mit Bürger*innen erlebe sie eine große Aufgeschlossenheit gegenüber Künstlicher Intelligenz, über alle Altersgruppen hinweg. Wichtig sei es, offen und transparent mit dem Instrument KI umzugehen, die positiven Seiten zu nutzen und die problematischen Seiten so weit wie möglich einzuhegen, betont Olschowski. Die KI sei ein Tool, um die eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Gleichzeitig würden andere Fähigkeiten weniger wichtig.

Eine Frau spricht in ein Mikrofon.
Petra Olschowski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. | © Damian Gorczany/Wissenschaft im Dialog

Schadet KI unserer Intelligennz?

An das Thema der Fähigkeiten schließt auch Moderatorin Eva Wolfangel an. In der Geschichte habe man immer wieder eine gewisse Skepsis erlebt, wenn Dinge sich verändern, etwa auch, als der Taschenrechner oder der Computer aufkamen. Sei es nicht auch okay, sich Dinge von neuen Technologien abnehmen zu lassen? Und woher wissen wir, welche Fähigkeiten wir brauchen?, will Wolfangel wissen. Darüber nachzudenken, sei die Aufgabe der Wissenschaft und der Wissenschafts-Communities, findet Amrei Bahr. Und plädiert zugleich dafür, sich bestimmte Aufgaben wie das Schreiben von Texten nicht von der KI abnehmen zu lassen.

Schreiben sei „kein schöner Prozess. Man quält sich manchmal durch.” Aber es sei ein wichtiger Prozess. “Schreiben ist ein Mittel zum Nachdenken”, betont Bahr. Letztlich gehe es nicht nur darum, bestimmte Fähigkeiten für den Beruf auszubilden, sondern es gehe auch um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. „Darum eine eigene Stimme zu haben.” Das sei auch eine Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie. Mündige Bürger*innen, die das Land mitgestalten.

Drei Frauen sitzen nebeneinander, die Frau in der Mitte spricht in ein Mikrofon.
Philosophieprofessorin Amrei Bahr plädiert dafür, sich Tätigkeiten wie das Schreiben nicht von der KI abnehmen zu lassen. | © Damian Gorczany/Wissenschaft im Dialog

In diesem Kontext weist Moderatorin Wolfangel auf eine Recherche zur Frage hin, inwiefern ChatGPT unserer Intelligenz schadet. Es sei tatsächlich so, dass wir Dinge verlernen, wenn wir sie nicht mehr machen. Doch was ist nun die Konsequenz daraus? „Da ist jetzt eben dieses neue Instrument”, sagt Ministerin Olschowski. „Und es liegt an uns, damit umzugehen.” Die neuen Technologien werden bleiben. Wer die KI nicht mitgestaltet, werde am Ende ein Opfer von dem sein, was andere entschieden haben, so Olschowski. „Ich bin positiv, dass wir die Instrumente und Möglichkeiten haben, in unserer Gesellschaft KI als ein Instrument zu nutzen, das uns helfen kann und das wir gestalten und das nicht uns gestaltet.”

Zuversichtlich bleiben

Mit Blick auf das Thema Bildung widmet sich die Runde auch dem wachsenden Problem, dass studentische Arbeiten mit der KI geschrieben werden. Man komme in eine Situation, in der es große Probleme gebe, Noten zu vergeben, betont Grimm. Daher sei es wichtig, dass auch die Hochschulen sich weiterentwickelten und neue Lehr- und Lernformen entwickeln.

Zum Ende der Session wird die Diskussion für Fragen aus dem Publikum geöffnet. Ob es nicht ein Fehler sei, die Diskussion über KI als „Moralisierungs- und Haltungsdebatte” zu führen, lautet eine Frage der Zuhörenden. Ministerin Olschowski greift diesen Hinweis auf und betont: Wir könnten nicht von einzelnen Bürger*innen erwarten, dass diese sich moralisch einwandfrei verhalten. Stattdessen müsse die Politik einen Steuerungsrahmen schaffen. Amrei Bahr widerspricht: Sie verstehe nicht, dass das Thema Moralisieren immer wieder so negativ geframed werde. Es sei eine wichtige Frage, wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen. Insofern sei es wichtig, diese Fragen zu diskutieren.

In einem sind sich alle in der Runde einig: Es komme darauf an, KI und den Umgang mit KI gemeinsam zu gestalten und dabei solidarisch und empathisch zu bleiben. Zugleich sei es wichtig, auch in den aktuellen Zeiten zuversichtlich zu bleiben. Denn, wenn wir resignierten und das nach außen tragen, so Bahr, dann steckten wir auch andere Leute an.