„Die Vielfältigkeit des Energiemobils ist wahrscheinlich einzigartig.“
Vier Jahre war das Energiemobil unterwegs, zeigte Forschung für eine klimaneutrale Zukunft, brachte Menschen ins Gespräch über die Energiewende und Schüler*innen zum Nachdenken über künftige Technologienutzung. Gestartet als Satellit der Ausstellung Power2Change, hat sich das Energiemobil zu einem eigenen Format entwickelt. Projektmanager Felix Dunkl zieht Bilanz und spricht über die Stärken eines mobilen Wisskomm-Formats.
von Ursula Resch-Esser
Felix, was sieht man, wenn man beim Energiemobil ins Jahr 2045 schaut?
Kommt drauf an, ob du die VR-Brille meinst, mit der du ins Jahr 2045 reisen und eine Stadt der Zukunft besuchen kannst, oder ob du auf all unsere Exponate anspielst, die zukunftsweisende Technologien und Forschung zeigen, wie zum Beispiel eine aus CO2 hergestellte Socke oder verschiedene Solarauto-Modelle. Oder ob du all die Wünsche und Meinungen der Besucher*innen meinst, die im Energiemobil hinterlassen wurden – die sind auf jeden Fall auch alle sehr zukunftstauglich. Und ich denke, egal was du jetzt im Detail anschaust, es wird trotz aller Krisen immer ein positiver Unterton mitschwingen.
Wie hat sich das Energiemobil im Lauf der Jahre weiterentwickelt?
Eigentlich war das Energiemobil mal als Satellit zu einer Wanderausstellung gedacht. Es hat sich aber schnell davon abgekapselt und eigenständig weiterentwickelt. Ein mobiles Format, das Ausstellungs-, Begegnungs- und Veranstaltungsort zugleich ist, hat einfach ganz andere Möglichkeiten. Im öffentlichen Raum können wir Menschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld ansprechen und Begegnungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ermöglichen, die so kaum stattfinden. Mit diesem Anspruch sind wir durch Deutschland getourt.
Relativ schnell kamen dann auch Schulen dazu. Für die haben wir Workshops entwickelt. Aus den Workshops haben wir dann andere Angebote entwickelt, wie etwa Planspiele, sodass wir, je länger das Energiemobil tourte, auch immer mehr Zielgruppen ansprechen konnten.
Lollapalooza, re:publica, die Kinderstadt FEZitty: Ihr wart mit dem Energiemobil bei ganz unterschiedlichen Events zu Gast. Wie hat sich das auf euer Angebot ausgewirkt?
Man muss halt mit jeder Zielgruppe anders umgehen: Ein Feier-Publikum wie beim Lollapalooza oder beim Stone Techno Festival muss viel lockerer und spielerischer angesprochen werden als etwa ein Ferienfreizeitprogramm, wo Kinder mit richtig viel Zeit kommen. Bei Festivals funktionieren etwa Exponate gut, die eine Gruppeninteraktion ermöglichen. Wenn dann alle lachen und rumalbern, ist doch die beste Voraussetzung gegeben, in einem direkten Gespräch wissenschaftlichen Input zu vermitteln – aber da wollen die Leute auch weiterziehen und schauen, da findet die Wissenschaftskommunikation in wenigen Minuten statt. Komplett anders aber genauso toll ist es, wenn wir etwa bei Kinderfreizeiten richtig viel Zeit haben und längere Workshops über mehrere Stunden machen können – so ein intensiver Austausch wäre in einer Schuldoppelstunde zeitlich gar nicht möglich.
Welche Erfahrungen habt ihr an Schulen gemacht?
Grundsätzlich hat bei allen Diskussionen und Gesprächen am Energiemobil auch immer die Frage mitgeschwungen, wie wir eigentlich als Gesellschaft in Zukunft zusammenleben wollen. Und wenn wir schon über Zukunftstechnologien und Zukunftsszenarien sprechen, dann sollten wir das ja auch unbedingt mit Schüler*innen machen. Deshalb haben wir Diskussions-Workshops entwickelt, die genau das thematisieren: In was für einer Gesellschaft wollen wir eigentlich zukünftig leben und mit welchen Technologien?
Daraus sind super spannende Gespräche entstanden – egal an welchen Schulen oder Berufskollegs wir Halt gemacht haben. Vor allem haben wir fast immer die Erfahrung gemacht, dass der Großteil der Schüler*innen positiv in die Zukunft blickt. Und das färbt natürlich auch auf einen selber ab.
Welches waren die größten Herausforderungen auf euren Touren?
So schön es auch ist, auf Tour zu sein, es ist schon auch anstrengend und schlauchend. Ich persönlich habe das meist erst hinterher gemerkt, wenn ich dann nach mehreren Wochen touren wieder nach Hause gekommen bin, wie das auch körperlich anstrengend war. Aber gleichzeitig nimmt man auch extrem viele positive Erfahrungen mit.
Was hat dich am meisten überrascht?
Dass die Welt und die Gesellschaft gar nicht so schlecht sind, wie sie manchmal zu sein scheinen, sondern viel positiver und vor allem neugieriger. Wir haben mit so vielen Menschen an den unterschiedlichsten Orten gesprochen – viele haben so gute Ideen, Projekte und Initiativen, die einfach Begeisterung wecken. Und die Leute wollen alles wissen: Energiewende ist ein emotionales Thema. Aber das Interesse am Austausch – auch im Hinblick darauf, wie die Technologien eigentlich funktionieren – ist enorm. Und zwar egal mit welchem Hintergrund, egal in welcher Region, egal bei welcher Altersgruppe. Das ist doch toll zu sehen.
Und vor allem waren so gut wie alle Gespräche – egal ob zustimmend oder kritisch – auf Augenhöhe und respektvoll. Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten kamen beim Energiemobil ins Gespräch und haben diskutiert. Ich hatte schon den Eindruck, dass es in den meisten Orten wesentlich gemeinschaftlicher und positiver zugeht, als es medial oft wirkt.
Was habt ihr – unabhängig vom Thema Energiewende – zu mobilen Kommunikationsformaten gelernt? Was zeichnet das Energiemobil gegenüber anderen mobilen Formaten aus?
Die Vielfältigkeit des Energiemobils ist wahrscheinlich einzigartig. Wir sind zugleich mobile Ausstellung, Begegnungsort, Veranstaltungsfläche und Workshopraum. Wir stehen in engem Austausch mit anderen mobilen Formaten, aber dass wir auf der re:publica in Berlin oder beim KOSMOS-Festival in Chemnitz eine Bühne sein können, auf Schulhöfen zu einem interaktiven Spielmobil werden, auf Marktplätzen Begegnungsort für ganz unterschiedliche Menschen sind, und gleichzeitig die Kapazität haben, dass wir große und kleine Workshops rund um das Mobil anbieten können – und natürlich, dass es zudem noch eine begehbare mobile interaktive Ausstellung ist – ist was ganz Besonderes und war auch der Schlüssel zum Erfolg für das Energiemobil.
Gibt es Pläne für neue mobile Formate?
Die Ideen-Schublade ist mit der Zeit immer voller geworden. Wir haben so viele Erkenntnisse gewonnen, mit so vielen Menschen gesprochen, waren mit so vielen anderen mobilen Formaten im Austausch und gleichzeitig gibt es noch so viele spannende Themen. Von daher wollen wir gerne in den Austausch gehen und das Format weiterentwickeln.