Ausgezeichnet kommuniziert
Digitale Gewalt verhindern, ein Mammut in einer Maus finden und Mikroplastik in Glasflaschen: Die ausgezeichneten Beiträge des Multimedia-Wettbewerbs Fast Forward Science 2026 zeigen, wie vielfältig, kreativ und überraschend Wissenschaftskommunikation sein kann.
von Simon Esser
Wie lässt sich digitale Gewalt verhindern? Was verraten Mäuse über die mögliche Rückkehr des Mammuts? Und warum steckt in Glasflaschen mehr Mikroplastik als in Plastikflaschen Am 17. Oktober feierten wir die Preisträger*innen des Multimedia-Wettbewerbs Fast Forward Science 2026 bei der Preisverleihung in der Kulturfabrik Moabit in Berlin.
Aus 168 eingereichten Beiträgen wählten die Fachjurys die besten Videos und Audiobeiträge aus. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 9.000 Euro sowie professionelle Weiterbildungsangebote vergeben.
Junge Forschende vor der Kamera
Den Young Scientist Award Short gewann Yasmin Molls mit einem Instagram-Video über digitale Gewalt. In der Kategorie Young Scientist Award Long überzeugte Dr. Miriam Mulorz mit ihrem Beitrag zum Gender Health Gap. Die zweiten Plätze gingen an Marty Krause-Wiegand für ein Video zur Krebsfrüherkennung mittels Lasertechnik und Vincent Boger für seine kritische Auseinandersetzung mit der sogenannten Mammut-Maus. Die Preise übergab Anna Held in einer Doppelrolle als Jurymitglied sowie als Vertretung für den Deutschen Zukunftspreis, den Partner des Young Scientist Awards.
In seiner Laudatio hob Robert Lepenies, Präsident der Karlshochschule International University, hervor, wie unterschiedlich die eingereichten Videos auf ihr Publikum wirken: Manche sorgen für überraschende Aha-Momente, andere berühren oder beschäftigen die Zuschauenden noch lange nach dem Anschauen. Besonders am Young Scientist Award sei, dass die Beiträge einen unmittelbaren Einblick in die wissenschaftliche Arbeit ermöglichen. Statt fertig aufbereitete Forschungsergebnisse durch Dritte präsentiert zu bekommen, könnten die Zuschauenden den jungen Forschenden gewissermaßen beim Denken zusehen. Die Menschen, die selbst im Labor standen, Daten ausgewertet und Erkenntnisse gewonnen haben, erzählen ihre Geschichten aus erster Hand. Genau diese persönliche Perspektive mache die Beiträge besonders authentisch und überzeugend.
Wissenschaft, die ins Ohr geht
Den ersten Platz beim Audio Award sicherten sich Kristin Müller, Jana Rogmann und Till Tognino mit ihrer Podcastfolge „Die Entdeckermaschine“ über die Geschichte der Teilchenbeschleuniger. Platz zwei ging an Anna Köhler, Carolin Volz, Stefan Titze und Florentin Will mit einem Podcast über die Möglichkeiten und Grenzen KI-generierter Inhalte.
„Audio ist demokratisierend!“, unterstrich Podcastproduzentin Maria Lorenz-Bokelberg in ihrer Laudatio. Beim Hören zählten Stimme und Perspektive statt äußerer Merkmale. Zugleich eröffne das Medium Podcast besondere Möglichkeiten, komplexe Forschung zugänglich zu machen. Anders als bei vielen Videoformaten bleibe mehr Zeit, wissenschaftliche Themen mit persönlichen Geschichten zu verbinden, Hintergründe zu beleuchten und längere Diskussionen zu führen. So könne Audio einen niedrigschwelligen Zugang zur Wissenschaft schaffen und Menschen dazu einladen, sich auch mit anspruchsvollen Fragen intensiver auseinanderzusetzen.
Ein erster Schritt in die Wissenschaftskommunikation
Auch vielversprechende Newcomer*innen wurden ausgezeichnet: Bernadette Mederer gewann den Sonderpreis Bestes Debüt Video mit ihrem Beitrag über Mikroplastik in Glasflaschen. Der erste Platz beim Besten Debüt Audio ging an Thomas Zauner und Francesca Grandolfo für ihre Podcastfolge über den Einfluss von Mikroben auf den Menschen. Die zweiten Plätze belegten Sarah Boysen mit einem Video über Standardsprache und Julia Ritter mit einer historischen Podcastfolge über die Habsburgermonarchie.
Laudatorin Lina Klose von funk würdigte besonders den Mut, mit einem eigenen Format erstmals an die Öffentlichkeit zu gehen. Mit einem eigenen Format sichtbar zu werden, bedeute, sich mit den eigenen Interessen, Ideen und Überzeugungen öffentlich zu zeigen. Ein Debüt könne der Beginn einer neuen Community und einer neuen Art sein, über Wissenschaft zu sprechen. Gute Wissenschaftspodcasts ließen Bilder im Kopf entstehen, machten komplexe Zusammenhänge durch Geschichten verständlich und schafften persönliche Zugänge zu Forschungsthemen.
Dass die Auszeichnung nicht das Ende, sondern der Anfang dieses Engagements sein soll, betonte auch Áine Fellenz vom Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation. Mit Weiterbildungsangeboten unterstützt das NaWik die ausgezeichneten Newcomer*innen dabei, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Fellenz dankte ausdrücklich auch allen Teilnehmenden, die in diesem Jahr keinen Preis gewonnen haben, und ermutigte sie, ihre Ideen weiterzuverfolgen.
Neben den Preisübergaben bot der Abend Gelegenheit, ausgezeichnete Beiträge gemeinsam zu erleben, die Menschen dahinter kennenzulernen und sich bei Drinks und Snacks auszutauschen. So wurde die Preisverleihung auch zu einem Fest für eine lebendige, vielfältige Wissenschaftskommunikation.
Wir gratulieren allen Preisträger*innen ganz herzlich und danken allen, die ihre Beiträge eingereicht und den Wettbewerb mit ihren Ideen bereichert haben. Ein großes Dankeschön gilt auch unseren Jurys, Partnern und allen Gästen, die diesen Abend mit uns gefeiert haben. Wir freuen uns schon darauf, zu sehen und zu hören, mit welchen kreativen Ideen ihr die Wissenschaftskommunikation weiter bereichert. Bis zum nächsten Mal bei Fast Forward Science!
Fast Forward Science ist ein gemeinsames Projekt von Wissenschaft im Dialog und dem Stifterverband. Partner des Young Scientist Awards ist der Deutscher Zukunftspreis. Partner der Sonderpreise Bestes Debüt ist Nationales Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik). Unterstützt wird der Wettbewerb von der Akademienunion, dem ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, dem Luxembourg National Research Fund (FNR) und Science et Cité.