Auszeichnung für drei herausragende Citizen-Science-Werke

Wissenschaft im Dialog und das Museum für Naturkunde Berlin würdigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hamburg, Jena und Kiel für gemeinsame Forschungsarbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern

Die Müllbelastung in Deutschlands Flüssen, die Gesundheitsversorgung in einem Hamburger Stadtteil und die Bodenqualität von Privatgärten in Thüringen: Das sind die Themen der drei Arbeiten, die dieses Jahr mit dem Forschungspreis für Citizen Science Wissen der Vielen ausgezeichnet werden. Die Forscherinnen und Forscher erhalten ein Preisgeld von insgesamt 35.000 Euro für ihre exzellenten wissenschaftlichen Leistungen, die sie durch die Anwendung von Citizen Science (deutsch: Bürgerwissenschaft) erzielt haben. Wissenschaft im Dialog (WiD) und das Museum für Naturkunde Berlin loben den Preis im Rahmen des Projekts mit:forschen! aus. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert den Preis. Ziel der Auszeichnung ist es, die Anerkennung von Citizen Science in der Wissenschaft zu stärken und die aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Forschung zu fördern.

Die ausgezeichneten Preisträgerinnen und Preisträger:

1. Platz (Preisgeld: 20.000 Euro)

Dr. Sinja Dittmann, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Den Preis für den ersten Platz gewinnt die Geografin Dr. Sinja Dittmann stellvertretend für die Autorinnen und Autoren der Publikation „Temporal variability of litter pollution of rivers in Germany – A long-term assessment by schoolchildren as citizen scientists”. Diese erschien 2024 im Marine Pollution Bulletin. Für die prämierte Forschungsarbeit haben rund 23.000 Schülerinnen und Schüler zwischen 2016 und 2022 im Projekt „Plastic Pirates“ Müll an Flussufern gesammelt und dokumentiert. Am häufigsten wurden Kunststoff und Zigarettenstummel gefunden. Die Citizen Scientists identifizierten Menschen, die ihre Freizeit am Fluss verbringen, als Hauptquelle des Mülls. Die Studie zeigt in besonderem Maße den Mehrwert von Citizen Science auf, da die große Menge an Langzeitdaten dabei hilft, einer weiteren Gefährdung von Bächen, Flüssen und Meeren entgegenzutreten.

2. Platz (Preisgeld: 10.000 Euro)

Anna Köster-Eiserfunke, Fakultät Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW)

Den zweiten Platz belegt die Politikwissenschaftlerin Anna Köster-Eiserfunke stellvertretend für das Team der Publikation „’Veddel, wie geht´s?’ – eine Bedarfserhebung für die Primärversorgung”. Die Arbeit erschien 2025 in der Zeitschrift Public Health Forum und zeigt, welche Vorteile die Einbindung von lokalen Akteurinnen und Akteuren für den Erkenntnisgewinn hat. Bei der Bedarfsplanung für die Gesundheitsversorgung werden sozialräumliche Besonderheiten teilweise nicht berücksichtigt. Im Falle des Hamburger Stadtteils Veddel haben sich Forschende der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und der Poliklinik Veddel, einem lokalen Gesundheitszentrum, diesem Problem angenommen. Im Hamburger Vergleich ist der Stadtteil ärmer, jünger und stärker von Migration geprägt. Die Ergebnisse aus 561 Haushalten (23,5 Prozent der Wohnbevölkerung des Stadtteils) der partizipativ durchgeführten Erhebung zeigen hohe Armutsrisiken, gesundheitliche Belastungen und Barrieren im Zugang zur Versorgung.

3. Platz (Preisgeld: 5.000 Euro)

Prof. Dr. Christoph Koch, Professur für Technische Chemie und Umweltchemie, Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Den dritten Platz erzielt der Umweltchemiker Prof. Dr. Christoph Koch stellvertretend für das Team der Publikation „Investigation of inorganic nutrients and pollutants in private gardens in central Germany using citizen science”. Sie erschien 2025 in der Zeitschrift Environmental Challenges und zeigt, wie es um die Bodenqualität in privaten Gärten in Thüringen steht. Privatgärten sind für die Wissenschaft schwer zugänglich. Gleichzeitig möchten viele Gartenbesitzerinnen und -besitzer gerne mehr über die Beschaffenheit ihres Bodens erfahren. In dem Citizen-Science-Projekt „Expedition Boden” lieferten 241 Bürgerinnen und Bürger Bodenproben und bekamen anschließend Ergebnisse zu Nährstoff- und Schadstoffkonzentrationen zugesendet. Die Proben ließen Rückschlüsse auf die Düngung der Gärten zu und wiesen teilweise erhöhte Konzentrationen an Schwermetallen auf. Mit dem Wissen über die Qualität des Bodens können Umweltbelastungen reduziert und die Lebensmittelsicherheit gewährleistet werden.

Über den Forschungspreis:

Der 2023 erstmals ausgeschriebene Wissen der Vielen – Forschungspreis für Citizen Science würdigt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Anwendung von Citizen Science. Die Vergabe erfolgt durch eine interdisziplinäre Jury von in ihrem Feld anerkannten Professorinnen und Professoren. Der Forschungspreis ist mit einem Preisgeld von 20.000 Euro für den ersten Platz, 10.000 Euro für den zweiten Platz und 5.000 Euro für den dritten Platz dotiert. Die Preisgelder ermöglichen den Forschenden, ihre Aktivitäten im Bereich der Citizen Science weiter auszubauen. Die Preisverleihung findet am 18. November 2026 im Rahmen der PartWiss 2026-Konferenz zur Vernetzung und Stärkung von Partizipation in der Wissenschaft in Berlin statt.

Weitere Informationen zum Preis und den Preisträgerinnen und Preisträgern: www.wissendervielen.de

Ihr Kontakt bei Wissenschaft im Dialog (WiD):
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hanna Strub
T: 017647182945
hanna.strub@w-i-d.de

Projektmanagement mit:forschen!
Leonie Malchow
Tel.: 030 2062296-7610
leonie.malchow@w-i-d.de