Insekten als Nahrungsmittel der Zukunft?

Eine Grafik, die einen Burger zeigt, auf dem ein Insekt sitzt. Unten rechts das Logo des Wissenschaftsjahres 2020|21 - Bioökonomie
© Arno Fricke
29. July 2021

Welche Vorteile sprechen für Insekten als Nahrungsmittel? Wie funktioniert eine Insektenfarm? Und natürlich: (Wie) Schmeckt die alternative Proteinquelle?

von Arno Fricke

Jeder weiß, wie ein Bauernhof aussieht, doch was passiert in einer modernen Insektenfarm? Werden in Zukunft Heuschrecken und Mehlwürmer statt Schnitzel und Bratwurst auf unseren Tellern liegen? Diesen und anderen Fragen gingen wir am 25. August mit Besucher*innen der MS Wissenschaft in Oldenburg auf den Grund. Am Stand vor dem Ausstellungsschiff erfuhren sie, warum Insekten eine Alternative zu Rind- und Schweinefleisch sein könnten und hatten Gelegenheit, insektenbasierte Snacks zu testen. Wissen für den Magen?

Fleisch ist für viele ein fester Bestandteil der Ernährung. In Deutschland liegt der jährliche Verbrauch im Durchschnitt bei über 80 Kilogramm pro Kopf. Dass dieser Konsum viele Ressourcen verbraucht, ist bekannt. Die steigende Weltbevölkerung und der Klimawandel verschärfen das Problem. Deshalb werden neue Wege gesucht, um unseren Proteinbedarf zu decken. Eine Möglichkeit sind Insekten. Sie haben im Vergleich zu Rindfleisch einen zwei- bis dreifach höheren Proteinanteil, haben aber gleichzeitig einen geringeren ökologischen Fußabdruck.

Die Besucher*innen des Infostands konnten Anhand einer Bilderserie den kompletten Ablauf auf einer Insektenfarm, von der Aufzucht bis zur Verarbeitung, verfolgen. Denn anders als manche Besucher*innen glaubten, werden Insekten nicht in freier Wildbahn gefangen, sondern gezielt für die Lebensmittelproduktion gezüchtet. Wie in allen landwirtschaftlichen Betrieben müssen dabei Standards zu Hygiene und Sicherheit eingehalten werden.

Die Produkte von der Insektenfarm konnten die Besucher*innen in Form von Snacks probieren. Angeboten wurden verschieden stark verarbeitete Insekten, von gewürzten Grillen, über Mehlwurm-Schokolade bis zu Buffalowurm-Müsliriegeln. Die Neugier siegte meist und ein Großteil der Besucher*innen griff beherzt zu. Für einige Personen, die bereits Urlaub in Thailand oder Mexiko gemacht hatten, waren Insekten im Essen gar keine große Besonderheit. Denn in beiden Ländern stehen Sechsbeiner traditionell schon lange auf dem Speiseplan. Auch in Deutschland kamen im 19. Jahrhundert Insekten als Maikäfersuppe auf den Teller, den großen Durchbruch gab es aber nie.

Personen stehen an einem Informationsstand vor der MS Wissenschaft und unterhalten sich.
Der Infostand vor der MS Wissenschaft. | © Andreas Schüll

Wie hoch ist die Bereitschaft insektenbasiertes Essen zu bestellen? Die Besucher*innen konnten sie mit Klebepunkten auf Bildern mit Vor-, Haupt- und Nachspeisen anzeigen. Zur Auswahl stand jeweils eine Speise ohne Insekten, mit ganzen Insekten oder verarbeiteten Insekten. Das so entstandene Stimmungsbild zeigt: Viele Personen wären bereit, verarbeitete Insekten zu essen, etwa als Insektenmehl in Pasta oder Brot. Ein Grund, dies doch nicht zu tun, könnte jedoch der Preis sein. Da Insektenfarmen noch nicht die Größe oder Produktivität anderer Lebensmittelhersteller haben, können sie nicht zu vergleichbaren Preisen produzieren.

Der vierte und letzte Teil des Infostandes bestand aus einem Quiz, bei dem Besucher*innen schätzen mussten wie viel Futter, Wasser und Fläche benötigt wird, um ein Kilogramm Mehlwurm oder Rind zu produzieren. Da einige Besucher*innen in Oldenburg mit den landwirtschaftlichen Gegebenheiten der Rinderzucht vertraut sind, überraschte sie nicht, dass Rinder im Vergleich schlechter abschneiden. Dabei kamen sogar Fragen auf, wie man Bauernhöfe in der Region umbauen könnte, um in Zukunft Insekten vor Ort zu produzieren.

Wissenschaftskommunikation mit allen Sinnen: Sie hat gezeigt, dass viele Leute mit Neugier und Interesse an das Thema: „Insekten als Nahrungsmittel” herangehen. Bis es im Restaurant um die Ecke Insekten auf der Speisekarte gibt, wird es aber wohl noch eine Weile dauern.