EUSEA 2026: Vertrauen, Qualität und zielgruppengerechte Wisskomm

Blick in einen Konferenzraum. Projektion an der Wand: 19-21 May 2026, Belval Luxembourg, #EUSEA26, www.eusea.info, In Other Words and Other Worlds Confronting Assuptions for Better Engagement.
Rund 200 Besucher*innen kamen zur EUSEA 2026 | © Miriam Nagels / WiD
10. Juni 2026

Die diesjährige Konferenz der European Science Engagement Association EUSEA stand unter dem Thema „In Other Words and Other Worlds - Confronting Assumptions for Better Engagement“. Unsere Kolleg*innen waren vor Ort und haben spannende Eindrücke mitgebracht.

von Miriam Nagels

Ausgerichtet von der Universität Luxemburg und dem Luxembourg National Research Fund waren wir zu Gast im Maison du Savoir - dem Haus des Wissens - auf dem Campus Belval in der kleinen Luxemburger Stadt Esch-sur-Alzette. Und so konnte es treffender nicht sein: Die Tage waren vollgepackt mit neuem Wissen, Austausch und Kollaboration rund um die Wissenschaftskommunikation und ihre Praxis in unterschiedlichen Kontexten.

Im Zentrum der EUSEA stehen der aktive Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, Partizipation und die Einbeziehung von Öffentlichkeiten in Kommunikations- und Forschungsprozesse. Auch für die etwa 200 Teilnehmenden aus größtenteils europäischen Ländern waren neben den Konferenzpanels Dialog und Austausch wichtige Bestandteile der Konferenz. Die Kolleg*innen des Insights Programm von WiD bereicherten das Konferenz-Programm mit mehreren Beiträgen und nutzten die Gelegenheit, um neue Partnerschaften zu schmieden.

Getreu dem Motto der Konferenz „In Other Words and Other Worlds - Confronting Assumptions for Better Engagement“ waren das Hinterfragen eigener Annahmen und die Kommunikation mit unterschiedlichen Zielgruppen zentrale Themen der Konferenz.

In seiner Keynote „The AI Persuasion Paradox: Saving SciComm or Destroying Trust Forever?“ thematisierte Mirko Bischofberger das Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre Kommunikation. Die Frage nach dem Vertrauen der deutschen Bevölkerung in Wissenschaft und Forschung, erhebt auch WiD regelmäßig im Wissenschaftsbarometer. Sowohl die in der Keynote gezeigten Studien als auch die Daten aus dem Wissenschaftsbarometer zeigen, dass das Vertrauen relativ stetig hoch ist. Häufig wird dieses Vertrauen jedoch in Frage gestellt. Daher adressierten die Keynote und die folgende Diskussion Fragen rund um den Umgang mit anderen Meinungen und Gesprächspartner*innen, die dieses Vertrauen in Frage stellen, und welche Rolle KI hierbei spielt. Dabei wurde diskutiert, wie gute Kommunikation aussehen kann, wenn das Gegenüber eine andere Meinung vertritt, wie wir mit Angriffen auf die Wissenschaftskommunikation umgehen und inwiefern uns KI helfen kann, bisher nicht erreichte Zielgruppen abzuholen.

Qualität statt Quantität - persönlich und zielgruppengerecht kommunizieren

Hierbei wurde deutlich - und dies war Tenor in vielen Konferenzbeiträgen - dass persönliche Kommunikation und Zuhören sowie Offenheit gegenüber anderen Perspektiven, Einstellungen, Zugängen und Praktiken zentral sind, für die Kommunikation von Forschung und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Anstelle von Kommunikation in die Breite, ist es wichtig, unterschiedliche Kontexte zu verstehen, verschiedene Angebote für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zu gestalten und diese Perspektiven frühzeitig in Kommunikations- und Forschungsprozesse zu integrieren.

Neben partizipativen Formaten und Dialog mit spezifischen Zielgruppen in Forschungs- und Kommunikationsprozessen sind auch die Vernetzung und der Austausch zwischen unterschiedlichen Gruppen aus der Wissenschaft sowie der Kommunikationspraxis wichtige Aspekte für die Förderung und Sicherung von Qualität in der Wissenschaftskommunikation.

Foto des Teams des Insights-Programms von WiD beim Besuch der EUSEA-Konferenz
Kolleg*innen aus dem Insight-Programm bei der #EUSEA26 in Luxemburg | © privat

Im Insights Programm fokussieren wir uns auf diesen Aspekt: Wir vernetzen unterschiedliche Gruppen der Community und erarbeiten Implikationen für die Wissenschaftskommunikationspraxis. Auf der Konferenz haben wir in diesem Kontext Einblicke in unsere Multistakeholder-Dialoge gegeben, die wir im Rahmen der WiD-Perspektiven durchführen. Dabei bringen wir verschiedene Akteursgruppen und Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis zusammen, um gemeinsam Handlungsempfehlungen für eine gute Wissenschaftskommunikation abzuleiten.

Wirkung und Qualität von Wissenschaftskommunikation

Auch die Wirkung von Wissenschaftskommunikation war ein wichtiges Thema der Konferenz - ein Themenfeld, bei dem auch die Impact Unit von WiD vertreten war und Impulse für eine gute Evaluationspraxis und die Qualität von Wissenschaftskommunikation setzen konnte. Unter anderem wurde in einer gemeinsam mit dem Laimburg Research Center ausgerichteten Session deutlich, wie essentiell die zielgerichtete Erstellung von Evaluationsprozessen ist, welche Aspekte man in diesem Prozess beachten sollte und welchen Beitrag Evaluationsdaten für strategische Entscheidungen leisten können.

Für spürbare Irritation sorgte ein provokativer Vortrag zur (vermeintlich fehlenden) Wirksamkeit von Wissenschaftskommunikation, der sich als gelungene Schauspielleistung und die präsentierte Studie als reine Fiktion entpuppte. Die anschließende Diskussion zeigte, welche Expertise und Argumente die Wisskomm-Community hat, wenn sie mit vereinfachten Empfehlungen und unzulässigen Kürzungen von Forschungsergebnissen konfrontiert ist. Angeführt wurde die Wichtigkeit einer transparenten Kommunikation von Forschungsergebnissen an unterschiedliche Zielgruppen sowie des Einsatzes passender Methoden in der Wirkungsmessung, die ein umfassendes Bild von Forschungs- und Kommunikationsprozessen erlauben, um eine qualitativ gute Wissenschaftskommunikation und Verständnis darüber sicherzustellen.

Wissenschaftskommunikation im gesellschaftlichen Diskurs

Ein weiteres Augenmerk lag bei der Konferenz auf der Frage nach dem Umgang mit Menschen, die unterschiedliche Glaubenssätze und Meinungen haben. Diskutiert wurde, wie man auch diese Menschen erreichen kann. Neben dem dialogischen Austausch und dem Angebot niedrigschwelliger und partizipativer Formate, sei die frühzeitige Einbindung von Zielgruppen essentiell, so ein Fazit.

Wissenschaftskommunikation solle dabei als Mittel verstanden und ausgerichtet werden, die Gesellschaft zu befähigen, wissenschaftliche Erkenntnisse und Entwicklungen zu verstehen und zu hinterfragen. So kann eine informierte Teilhabe an demokratischen Entscheidungsprozessen ermöglicht werden, die zum Beispiel auch den Einsatz neuer Technologien betrifft. Gleichzeitig wurde Wissenschaftskommunikation als ein wichtiges Mittel betrachtet, um wissenschaftliche Erkenntnisse und Innovationen in die Praxis zu überführen, sodass Forschung in der Gesellschaft wirken kann.

Blick in einen Raum, an der Decke ein Luftballon in Form einer Kuh
Kühe in den Konferenzräumen der EUSEA 2026 | © Miriam Nagels / WiD

Humor

Ein Detail, das in einem Bericht zu dieser Konferenz nicht fehlen darf, ist die Präsenz von Kühen. Sie waren nicht nur auf den Wiesen am Rande der Zugstrecke zwischen Luxemburg Stadt und dem Campus Belval in Esch-sur-Alzette präsent, sondern auch wiederkehrende Besucher*innen in den Konferenzräumen. Damit haben unsere Luxemburgischen Gastgeber*innen auf sehr humorvolle Art und Weise auf Vorurteile gegenüber Luxemburg reagiert und diese zum Teil des Programms gemacht.

Passenderweise hat unsere Transfer Unit einen Forschungsüberblick zu „Humor in der Wissenschaftskommunikation“ veröffentlicht und in einem Beitrag auf der Konferenz die Möglichkeiten geteilt, die Emotionen und Humor in der Wissenschaftskommunikation eröffnen, und diese mit der Community diskutiert.

Wir verabschiedeten uns aus Luxemburg mit einem Schmunzeln. Vor allem sind wir aber inspiriert, angesichts der vielen Beiträge und des Austauschs sowie der Perspektiven auf die Aufgaben und Herausforderungen der Wissenschaftskommunikation.Wir freuen uns auf kommende gemeinsame Aktivitäten, Dialoge und Veranstaltungen sowie die nächste EUSEA in Glasgow.