„Die Medizin der Zukunft beginnt jetzt“
Das Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft wurde am 20. Januar im Futurium in Berlin feierlich eröffnet. Im Fokus standen die Themen Frauengesundheit und Wissenschaftskommunikation in Zeiten von Desinformation. Ein Rückblick auf zentrale Botschaften zum Start des Wissenschaftsjahres.
von Hanna Strub
Welche Chancen schenkt mir die Medizin von morgen? Kann die Medizin so vielfältig sein, wie wir? Welche Antworten wird die Wissenschaft auf meine Krankheit finden? Was hilft mir schon heute, meine Gesundheit zu schützen? Mit zahlreichen Aktionen zu diesen Fragen von heute für die Gesundheit von morgen möchte das Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft Wissenschaft und Gesellschaft aktiv zusammenbringen.
„Die Medizin der Zukunft beginnt genau jetzt.” Mit diesen Worten eröffnete Bundesforschungsministerin Dorothee Bär das Wissenschaftsjahr 2026. Sie betonte in ihrer Auftaktrede, dass „Wissenschaft nichts Elitäres“ sei. „Wenn wir so ein Wissenschaftsjahr machen, gerade auch zur Medizin der Zukunft, dann machen wir das für 83 Millionen Menschen.“ Wie die Medizin der Zukunft aussehen werde? „Sie ist innovativ, digital und partizipativ“, so Bär. Innovation bedeute beispielsweise neue Technik für minimalinvasive Eingriffe, um Erkrankungen möglichst früh zu erkennen. Künstliche Intelligenz biete große Chancen im digitalen Bereich. Und die Medizin der Zukunft beziehe alle mit ein und entstehe „mit den Menschen“.
Frauengesundheit im Fokus
Eine besonders große Rolle soll im Wissenschaftsjahr 2026 das Thema Frauengesundheit spielen. Jahrzehntelang wurden Frauen in der Medizin ignoriert. „Der männliche Körper ist einfacher und war deshalb jahrelang das Maß aller Dinge“, sagte die Ministerin. Dabei können sich Erkrankungen, zum Beispiel ein Schlaganfall, bei Frauen anders äußern. Auch Therapien und Medikation müssten auf den weiblichen Körper abgestimmt sein, sagt Bär.
Noch viel zu häufig würden Frauen mit ihren Beschwerden, zum Beispiel während der Menstruation, nicht ernst genommen, kritisierte Dr. Marion Kiechle, Professorin für Frauenheilkunde und Direktorin der Frauenklinik rechts der Isar in München. Obwohl der Grund für die Schmerzen eine ernsthafte Erkrankung sein kann. Jede zehnte Frau leide an Endometriose, doch bis zur Diagnose vergingen im Schnitt sieben bis zehn Jahre. „Frauen erleben hier ein großes Forschungsdefizit“, sagte Dr. Judith Bildau, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtsmedizin sowie Autorin und Medical Influencerin. Diesen sogenannten Gender-Data-Gap gelte es zu überwinden. Außerdem „muss man sich mit Geschlechterrollen beschäftigen, wenn man sich biologischen Unterschieden nähert“, erklärte Dr. Sabine Oertelt-Prigione, Professorin für Geschlechtersensible Medizin an der Universität Bielefeld und Radboud University in Nijmegen.
Wissenschaftskommunikation für Vertrauen in Forschung
WiD-Geschäftsführer Dr. Benedikt Fecher sprach über die Bedeutung der Wissenschaftskommunikation und ihre Herausforderungen: „Eine Kernherausforderung ist es, in einer Welt, die lauter und undurchsichtiger geworden ist, der Wahrheit Gehör zu verschaffen.“ Man müsse Vertrauen in Forschung aufbauen und erhalten. Wichtig sei zu erklären, „wie Ergebnisse zustande kommen, wie die Methode ist und klar machen, wo das Wissen aufhört und die eigene Meinung anfängt“.
Eine solche Offenheit und „Transparenz seitens der Ärzteschaft“ forderte auch Dr. Nibras Naami, Oberarzt für Kinderhämatologie und -onkologie und Medical Influencer. Er sieht in den Sozialen Medien ein „Riesenpotential und viele Chancen, die wir nutzen können, wenn wir strategisch vorgehen“. Dafür brauche es mehr Trainings – auch an Forschungsorganisationen.
Medizin sei ein sehr gutes Thema, um deutlich zu machen, wie in der Wissenschaft um Wahrheit gerungen werde, sagte der Direktor des Futuriums Dr. Stefan Brandt: „Weil Medizin so nah an der Lebensrealität der Menschen liegt.“
Info:
Wissenschaft im Dialog beteiligt sich am Wissenschaftsjahr 2026 mit zwei Projekten:
- Im Mai startet das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft seine Tour durch Deutschland und besucht rund 30 Städte.
- Im Hochschulwettbewerb setzen zehn Teams aus Nachwuchswissenschaftler*innen ihre Kommunikationsideen rund um das Thema Medizin der Zukunft um.